HALKWEBAutorenDie Menschen, deren Layla ein Klagelied ist

Die Menschen, deren Layla ein Klagelied ist

“Die Heimat ist die Kindheit”. Im Gedenken an diejenigen, die ihre Heimat auf der Straße verlassen haben, an diejenigen, die ihre Kindheit auf den Migrationsrouten verloren haben...

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Wir sind die Kinder einer traurigen Heimat; der Wind hat uns getroffen, wir wurden verstreut... Unsere Geschichte: Es ist der Fall eines Blattes, das im Sturm verstreut wurde, um das Land, auf das es fiel, zu einer Heimat zu machen.

Wir sind die Kinder eines Volkes, das selbst die Freude mit Traurigkeit gezähmt hat. Wir sind ein Schicksal der Sehnsucht, das aus dem Sturm des Kaukasus herausgebrochen und im Schoß Anatoliens besiegelt wurde.

Unsere Freude erscheint uns im Spielzeug, aber ihre Essenz ist immer mit Kummer besiegelt. Am Anfang unseres Liedes denkt man, es sei ein Fest, aber schon in der ersten Strophe fällt ein “wâh” auf das Herz.

Denn die Hochzeit zurna dieses Landes muss im gleichen Atemzug mit dem Gruß an die Toten erfolgen.

Wir kommen aus dem Land der Gefahr.

Selbst der Wind dieses Landes weht mit Erinnerungen; manchmal bläst er uns in den Schoß von Kafdağı, manchmal in die weite Stille Anatoliens... Wir kannten weder ein Ziel noch eine Entscheidung; der Weg wurde unsere Heimat, die Sehnsucht wurde unsere Heimat.

Selbst in unseren Wiegen gibt es keinen Frieden. Das Wiegenlied aus dem Munde der Mutter bringt das Kind nicht in den Schlaf, sondern in die Zeit. Welches Volk singt sein Wiegenlied in der Trauer? Welches Volk, das seine Kinder in den Schlaf wiegt, gedenkt seiner Verluste wie eine Rosenkranzperle?

Das ist bei uns der Fall, denn Vergessen ist eine Schande und Erinnern ist Anbetung.
Die Spitzen unserer Berge sind rauchig; dieser Rauch ist kein Nebel, er ist der Schrei von Jahrhunderten.

Seine Röcke sind grasbewachsen, aber jedes Gras verbirgt eine Geschichte, jeder Stein einen unvollendeten Abschied.
Unsere Mütter erschöpfen die Geduld eines ganzen Lebens des Wartens, nicht nur den Weg der Verstorbenen.
Ihre Augen sind auf einen Schatten am Horizont gerichtet, ihre Ohren auf das Knarren der Tür... Wenn Ana wartet, bleibt die Zeit stehen, die Erde verstummt, der Berg krümmt sich.

Wir sind uns weder der Freude voll bewusst, noch sind wir in der Trauer völlig still. Es gibt einen Seufzer sogar im Spielzeug, eine Feierlichkeit sogar im Lamento.
Denn wir sind die Erben eines Volkes, das den Kummer zu einem Verhalten gemacht hat, das den Schmerz dem Wort anvertraut hat.
Wir haben das Heimatland als Mutter, die Mutter als Layla und die Layla als unendliche Seda kennen gelernt.

Friede sei mit dem rauen Wind des Kaukasus und der brennenden Erde Anatoliens.

Friede sei mit euch;
“Wenn wir den Weinberg wieder hätten, wären wir wieder zu Ihnen gekommen,
”Beruhige meine Seele mit deinem zaghaften Blick"
für diejenigen, die das Band der Liebe in “diesem Band” mit ihren Töchtern verlassen...

Friede sei mit den Kindern von Hazan, deren gleichmäßige Laute Elegien sind, deren Wege mit Sehnsucht gewoben sind, die nie gelernt haben zu vergessen...

Möge Gott unsere Mütter segnen, die diese Liebe wie eine Schlinge in unsere Herzen gewoben haben.

Friede sei mit all den Blutblumen, die mit Blut auf dem Schnee blühen... Und mit dem nie versiegenden Lachen von Chodschali, das im Schoß dieser stillen Nacht verwaist ist.

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