HALKWEBAutorenAufruf zum Selbstwertgefühl

Aufruf zum Selbstwertgefühl

Hören Sie auf, Statist auf der Bühne der anderen zu sein, und hören Sie auf, Ihr eigenes Leben zu einer Ausstellungsfläche zu machen. Treten Sie in den Mittelpunkt Ihres eigenen Lebens.

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Was heute in den sozialen Medien geschieht, ist nicht nur das Beobachten des Lebens anderer, sondern auch das Bestreben, durch Beobachten zu existieren. Man kommentiert, urteilt, ergreift Partei, während man auf den Bildschirm schaut. Für diesen Moment tritt eine kurze Erleichterung im Kopf ein: “Ich bin hier, ich denke.” Aber dies ist kein Selbst, das sich aus dem Inneren speist. Es ist ein Gefühl, das sich aus den Reaktionen auf die Szene eines anderen ergibt. Wenn das Video zu Ende ist, wenn der Bildschirm ausgeschaltet wird, bleibt die gleiche Leere zurück. Deshalb wird die Betrachtung wiederholt. Noch eine Geschichte, noch ein Video... Das Selbst sucht ein vorübergehendes Gleichgewicht durch das Leben der anderen.

Diese Situation ist nicht unschuldig. Denn sie zwingt den Menschen in die Position eines Zuschauers. Anstatt sein eigenes Leben aufzubauen, gewöhnt er sich daran, zu existieren, indem er das Leben der anderen konsumiert.

Auf der anderen Seite dieses Zyklus stehen diejenigen, die selbst ihre intimsten Momente preisgeben. Für sie geht es nicht um Freiheit oder Offenheit, sondern um die Unfähigkeit, sich von innen heraus festzuhalten. Es reicht also nicht aus, das Thema zu leben, man muss auch zeigen, dass man es lebt. Intimität hört auf, ein privater Raum zu sein und wird zu einem Material, das ausgestellt wird. Solange es Wertschätzung gibt, gibt es Erleichterung, solange das Interesse anhält, wird das Gleichgewicht aufrechterhalten. Im Grunde liegt das Problem nicht im Teilen, sondern im Grund des Teilens.

Was dabei herauskommt, sind schillernde, aber hohle Leben. Alle sind sichtbar, aber niemand hat Tiefe. Alle reden, aber niemand hört zu. Alle teilen, aber niemand erinnert sich. Beobachten wird für Leben gehalten, Erscheinen für Sein. Doch Zuschauen ist nicht Leben; Sichtbarkeit ist nicht das Selbst.

Die Zeit erfordert natürlich die Nutzung von Social-Media-Anwendungen. Das Problem liegt nicht in der Nutzung, sondern darin, ob die Nutzung das Zentrum oder das Werkzeug ist. Eine gesunde Nutzung ersetzt das Leben nicht, sie unterstützt es. Sie erfordert nicht in jedem Moment Zeugen; nicht jede Emotion muss offen gezeigt werden. Das starke Selbst schafft es auch, zu schweigen.

Hier ist eine klare, aber nicht verletzende Warnung erforderlich: Machen Sie sich nicht klein. Sie müssen sich nicht alles ansehen. Sie müssen nicht alles erzählen. Du gewinnst nicht an Wert, indem du das Leben anderer konsumierst oder dein eigenes Leben zur Schau stellst. Dies ist keine moralische Lektion; es ist ein Aufruf zur Selbstachtung. Der weise Mensch wählt aus. Ein starker Mensch setzt sich Grenzen. Ein tiefgründiger Mensch füllt seine innere Welt nicht mit der Eitelkeit anderer Menschen.

Hören Sie auf, Statist auf der Bühne der anderen zu sein, und hören Sie auf, Ihr eigenes Leben zu einer Ausstellungsfläche zu machen. Stellen Sie sich in den Mittelpunkt Ihres eigenen Lebens. Denn die Beständigen sind nicht die Auffälligen, sondern diejenigen, die sich von innen heraus behaupten können. Ein dauerhaftes Selbst entsteht durch das Leben, nicht durch Zuschauen oder Zeigen.

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