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Am 3. März, Kampf gegen Arbeitsmord und Kinderarbeit: Geschichte der Verluste, Aufruf zum Kampf

Während das Bildungssystem in den Markt integriert wird, nimmt die Armut zu und Kinderarbeit wird als billige Arbeitskraft angesehen.

Özgür Hüseyin Akış/HALKWEB Der 3. März ist einer der symbolträchtigsten Tage im Kampf gegen die Arbeitsmorde in der Türkei. Es ist der Jahrestag der Kozlu-Katastrophe von 1992, bei der Hunderte von Bergleuten ihr Leben verloren. Diese gewaltige Explosion in Zonguldak war nicht nur ein ’Unfall“, sondern ein Arbeitsmord, der durch mangelnde Überwachung, Privatisierungspolitik und Produktionsdruck verursacht wurde.

Trotz der vergangenen Jahre hat sich eine Tatsache nicht geändert: In der Türkei werden weiterhin Arbeitsmorde begangen. Und unter den Opfern sind auch Kinder.

Kinderarbeit Die unsichtbare Gefahr

Saisonarbeit auf den Feldern, Lehrstellen in der Industrie, auf Baustellen, in Textilbetrieben... Auch Kinder mit Migrationshintergrund werden beschäftigt. Meistens unangemeldet, unversichert und prekär. Die Kinder werden bei Arbeiten, die selbst für Erwachsene nicht sicher sind, mit dem Risiko des Todes allein gelassen.

Auf internationaler Ebene fordert die Internationale Arbeitsorganisation die Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Auch das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes, dem die Türkei beigetreten ist, schreibt ausdrücklich den Schutz von Kindern vor wirtschaftlicher Ausbeutung vor. Die Kluft zwischen Gesetzgebung und Realität ist jedoch groß.

Nicht Arbeitsunfall, Arbeitsmord

“Der Begriff ”Arbeitsunfall" macht die Verantwortung unsichtbar. Wenn aber notwendige Arbeitsschutzmaßnahmen nicht ergriffen werden, wenn Inspektionen nicht durchgeführt werden, wenn der Produktionsdruck das menschliche Leben überlagert, ist jeder Tod politisch. Aus diesem Grund verwenden die Arbeitnehmerorganisationen seit Jahren den korrekten Begriff: Arbeitsmord.

Auch Kinderarbeit ist ein Teil dieser Struktur. Während das Bildungssystem in den Markt integriert wird und die Armut zunimmt, wird Kinderarbeit als billige Arbeitskraft angesehen. Vor allem Kinder, die unter dem Deckmantel der Berufsausbildung in der Produktion eingesetzt werden, verbringen die meiste Zeit der Woche an den Arbeitsplätzen. Durch diese Situation werden die Kinder nicht nur von der Bildung abgehalten, sondern auch dem Risiko von Arbeitsmorden ausgesetzt.

Bedeutung des 3. März

Der 3. März ist nicht nur der Jahrestag einer vergangenen Tragödie. Es ist auch der Tag, an dem wir uns die Frage stellen:
Ist es möglich, ein Land zu haben, in dem Kinder nicht arbeiten oder sterben müssen?

Die Antwort liegt in der Wiederherstellung der öffentlichen Verantwortung:
Abschaffung von Praktiken, die Kinderarbeit fördern,
Öffentliche Maßnahmen zur Beseitigung von Familienarmut
Einrichtung unabhängiger und wirksamer Prüfmechanismen,
Gewährleistung der Gewerkschaftsrechte.

Die Bergleute, die in Kozlu starben, sind das Symbol für die Arbeitsmorde, die bis heute andauern. Aber der Tod der Kinder ist die schwerste Gewissenslast dieses Bildes.

Am 3. März muss nicht nur der Bergarbeiter, sondern auch der Kinder gedacht werden, die in den Werkstätten, auf den Baustellen und auf den Feldern ihr Leben verloren haben. Denn Arbeitsmorde sind klassenbedingt. Und Kinderarbeit ist die nackteste Form dieser Klassenungerechtigkeit.

Vergessen heißt normalisieren.
Erinnern ist ein Kampf.

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