HALKWEBAutorenDer Verfall der Moral und die Psychologie der Macht

Der Verfall der Moral und die Psychologie der Macht

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Der soziale Verfall tritt nicht plötzlich auf, sondern ist das Ergebnis einer langfristigen emotionalen Blindheit. Zunächst erkennen die Menschen kleine moralische Abweichungen, beachten sie aber nicht. Dann entwickelt sich um diese Abweichungen herum ein Gefühl der Normalität. Schließlich beginnt der Verstand, Falschheit nicht mehr als Bedrohung, sondern als eine Realität wahrzunehmen, der man sich anpassen muss.
Der Grund, warum sich heute ein großer Teil der Gesellschaft an den Starken orientiert, ist nicht nur eine politische Präferenz, sondern die Suche nach emotionalem Trost. Die Menschen fliehen vor der Unsicherheit; um sich sicher zu fühlen, wenden sie sich an die Mächtigen. Wenn die Psychologie schwierig wird, entscheidet man sich zuerst für emotionale Sicherheit und nicht für Werte oder Wahrheit.
Wenn wir uns die heutige Politik anschauen, sehen wir das gleiche Muster. Während es Dutzende von Ungereimtheiten, Verdächtigungen und kriminellen Anschuldigungen gibt, entscheiden die Massen, die sich immer noch hinter dem “Sieger” aufstellen, nach ihren emotionalen Bedürfnissen und nicht nach der Wahrheit. Dies ist keine politische Strategie, sondern eine Massenblockade der emotionalen Intelligenz. Die Menschen wollen nicht die Kosten für die Verteidigung der Wahrheit tragen. Deshalb drängt jede Figur, von der sie glauben, dass sie gewinnen wird, moralische Fragen in den Hintergrund.
“Du denkst: ”Das ist unerhört."
Es geschieht.
Denn wenn der soziale Geist Angst vor einer Niederlage hat, kommen Abwehrmechanismen ins Spiel: Verleugnung, Rechtfertigung, selektive Wahrnehmung.
In dem Maße, wie kritisches Denken, Verantwortungsbewusstsein und Gewissen schwächer werden, bleibt in der Gesellschaft nur ein Maß übrig: Wer die Macht hat, hat das Recht.
Der moralische Verfall begann nicht mit der Vermehrung des Bösen, sondern mit dem Verstummen des Vernünftigen.
Und wir sollten nicht vergessen: Je länger das Schweigen, desto tiefer der Verfall; je länger die Konfrontation aufgeschoben wird, desto mehr erliegt die Gesellschaft ihrem eigenen Schatten.

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