HALKWEBAutorenFluch der natürlichen Ressourcen

Fluch der natürlichen Ressourcen

Staaten, denen es nicht gelingt, ihre natürlichen Ressourcen transparent und fair zu verwalten und ihre Bevölkerung mit einzubeziehen, zerfallen nicht nur von innen, sondern werden auch von außen zur Zielscheibe.

0:00 0:00

Venezuela verfügt über eine der größten und hochwertigsten Erdölreserven der Welt.
Auf dem Papier bedeutete dies Wohlstand.
In Wirklichkeit bedeutete es Armut, Hunger und Auswanderung.
Das ist in vielen Ländern der Fall:
Gold kommt heraus.
Öl tritt aus.
Erdgas.
Der Diamant kommt heraus.
Aber die Menschen bekommen ihren Anteil nicht.
Dies wird als Fluch der natürlichen Ressourcen bezeichnet:
Wenn der unterirdische Reichtum eines Landes das Leben der Menschen nicht verbessert, sondern sie noch verwundbarer macht.
Es gibt Ressourcen, aber keine Entwicklung.
Es gibt Einkommen, aber keine Gerechtigkeit.
Der erste Fluch beginnt hier.

Reichtum führt nicht zu Entwicklung, wenn die Ressourcen nicht mehr Allgemeingut des Volkes sind, sondern unter die Kontrolle eines engen Machtzirkels, korrupter Staatsapparate oder geschlossener Eliten fallen.
Im Gegenteil, sie vertieft die Ungerechtigkeit.
Die Produktion wird nicht diversifiziert.
Die Wirtschaft ist an eine einzige Quelle gebunden.
Bildung wird in den Hintergrund gedrängt.
Die Zukunft wird aufgeschoben.

Aber der Fluch ist damit noch nicht zu Ende.

Staaten, die es versäumen, ihre natürlichen Ressourcen transparent und fair zu verwalten, verrotten nicht nur von innen heraus, sondern auch gemeinsam mit ihrer Bevölkerung;
aber sie wird auch zur Zielscheibe von außen.
Reichtum, der nicht geteilt wird, kann nicht geschützt werden.
Die der Bevölkerung entzogenen Ressourcen werden für die Außenwelt geöffnet.
Und dieses Mal tritt der zweite Fluch in Kraft.
Große Mächte kommen.
Er nennt es Demokratie.
Er nennt es Stabilität.
Freiheit, sagt er.
Das Wichtigste ist die Quelle.
Sie sind mit einem Teil dieses Reichtums, der nie an das Volk verteilt wurde, nicht zufrieden.
Sie werden mehr einnehmen.
Was bleibt, ist die Armut.
Die Sucht bleibt.
Trümmer bleiben zurück.

Der Fluch der natürlichen Ressourcen ist also ein doppelter Fluch.
Das erzeugt Ungerechtigkeit im Inneren.
Das wird den Appetit draußen anregen.
Reichtum im Untergrund
zunächst von den Menschen abgeschnitten,
dann aus dem Land gebracht.
Und der Preis
die ganze Zeit
die armen Leute zahlen.

ANDERE SCHRIFTEN DES AUTORS