“Die Macht des Staates bemisst sich nicht danach, wen er konfisziert, sondern danach, wessen Rechte er schützt.”
Die Türkei hat in letzter Zeit eine tiefe moralische Krise durchgemacht, die sich von der Politik bis zur Geschäftswelt erstreckt. Beispiele wie Paramount Hotel, Ciner Holding und Papara zeigen deutlich, dass die Beziehung zwischen Staat und Kapital nicht nur zu einem wirtschaftlichen, sondern auch zu einem ethischen Problem geworden ist. Diese dunklen Netzwerke, die mit öffentlicher Macht aufgebaut wurden, bringen die Waage der Gerechtigkeit ins Wanken und untergraben grundlegend das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Staat.
Die Grenze zwischen Kapital und Staat wird verwischt
Heute sind die Grenzen zwischen der öffentlichen Hand und dem Großkapital in der Türkei fast völlig verschwommen. Partnerschaften, die einst im Namen der “wirtschaftlichen Stabilität” verteidigt wurden, sind heute zu einer Interessenallianz geworden. Die Frage, an wen und aus welchen Gründen öffentliche Mittel weitergegeben werden, beunruhigt das Gewissen jeden Tag mehr.
Die Macht des Staates wird nicht an der Übernahme von Unternehmen gemessen, sondern am Schutz der Rechte der Armen, der Arbeiter, der Bürger, die im Schweiße ihres Angesichts leben. Heute ist dieser Grundsatz jedoch durch die Zurschaustellung von Macht ersetzt worden.
Der Verfall sickert in die Adern der Politik
Ein anderes Gesicht der Korruption zeigt sich im Herzen der Politik. Die derzeitige Führung der Republikanischen Volkspartei ist zu einem der deutlichsten Beispiele für diesen Verfall geworden. Eine Partei, die mit den Hoffnungen des Volkes gegründet wurde, ist heute zum Synonym für Sitzkalkulationen, Ausschreibungsverhandlungen und Interessenbeziehungen geworden.
Innerparteiliche Kämpfe sind nicht nur ein Indikator für politische Rivalität, sondern auch für den Verlust ethischer Werte. Die Öffentlichkeit sucht nicht mehr nach einer “Machtalternative”, sondern nach einer ethischen Politik.
Es ist klar, warum eine saubere Politik ins Visier genommen wird
Die saubere, prinzipientreue politische Linie, die von Kemal Kılıçdaroğlu vertreten wird, wurde genau aus diesem Grund ins Visier genommen. Denn Ehrlichkeit ist die größte Bedrohung für das Funktionieren der schmutzigen Ordnung.
Die Anwesenheit von Kılıçdaroğlu entlarvte die Interessenbeziehungen in der Politik. Diejenigen, die ihn diskreditieren wollten, wollten in Wirklichkeit den Schmutz des Systems schützen. Heute ist das politische Engineering, das unter dem Namen “Wandel” betrieben wird, oft ein Deckmantel für die moralische Liquidierung geworden.
Die wahre Krise: Moralisch, nicht wirtschaftlich
Die derzeitige Krise der Türkei lässt sich nicht allein durch den Wechselkurs, den Zinssatz oder das Haushaltsdefizit erklären. Die wahre Krise ist die Politisierung der Moral.
Korruption, Leistungslosigkeit und Interessenbeziehungen lassen das Rechtsverständnis des Staates von innen heraus verfaulen. Eine Ordnung, in der das Interesse und nicht das Recht der bestimmende Faktor ist, kann weder die Gerechtigkeit aufrechterhalten noch die Wirtschaft wiederbeleben.
Was wir heute brauchen, sind keine neuen Gesetze, sondern eine Rückbesinnung auf alte Werte.
Die Geschichte vergisst nicht
Die Macht des Staates wird nicht daran gemessen, wen er ergreift, sondern daran, wessen Rechte er schützt. Und die Geschichte zeigt, dass keine Korruption, die von der Öffentlichkeit vergessen wird, in den Archiven der Geschichte beschönigt wird.
Die Gewissen, die heute noch schweigen, werden morgen Zeugen der Gerechtigkeit sein.
Denn die Wahrheit wird verzögert, geht aber nie verloren.
