{"id":286792,"date":"2026-06-21T07:13:55","date_gmt":"2026-06-21T07:13:55","guid":{"rendered":"https:\/\/halkweb.com.tr\/?p=286792"},"modified":"2026-06-21T07:13:55","modified_gmt":"2026-06-21T07:13:55","slug":"pavlovs-hunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/pavlovs-hunde\/","title":{"rendered":"PAVLOVS HUNDE"},"content":{"rendered":"<p>Im Laufe der Geschichte haben Wissenschaftler, die versucht haben, den Menschen zu verstehen, verschiedene Experimente durchgef\u00fchrt. Eine der bekanntesten davon ist die Theorie des \u201ckonditionierten Reflexes\u201d, die vom russischen Physiologen und Psychologen Iwan Pawlow aufgestellt wurde.<\/p>\n<p>In Pawlows Experiment begannen die Hunde ganz nat\u00fcrlich zu sabbern, wenn ihnen Fleisch vorgesetzt wurde. Sp\u00e4ter wurde zusammen mit dem Fleisch ein Glockenton ert\u00f6nen lassen. Nachdem dieser Vorgang mehrfach wiederholt worden war, begannen die Hunde nach einer Weile, bereits beim blo\u00dfen H\u00f6ren des Glockentons zu speicheln, ohne das Fleisch zu sehen. Denn nun spielte kein Denkprozess mehr eine Rolle; es handelte sich um Gewohnheit und Konditionierung. Der Verstand war ausgeschaltet, der Reflexmechanismus hatte die Kontrolle \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Privileg, \u00fcber einen menschlichen Verstand zu verf\u00fcgen, beginnt genau hier. Der Mensch denkt nach, hinterfragt, w\u00e4gt ab und l\u00e4sst sein Gewissen walten, um nicht zum Sklaven seiner Reflexe zu werden. Allerdings k\u00f6nnen Menschen in manchen Situationen auch, ohne es zu merken, zu Gefangenen ihrer eigenen Konditionierungen werden. Beispiele daf\u00fcr finden sich h\u00e4ufig in der politischen Parteilichkeit, in ideologischer Verblendung und in der Medienwelt.<\/p>\n<p>Als ich mir die Sendung mit Herrn Kemal K\u0131l\u0131\u00e7daro\u011flu auf S\u00f6zc\u00fc TV ansah, war das genau das Erste, was mir in den Sinn kam. Das Bild, das sich mir bot, vermittelte eher den Eindruck von Menschen, die ein vorab festgelegtes Skript wiederholten, als von Journalisten, die versuchten, die Wahrheit zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Fragen schienen sich zu \u00e4ndern, drehten sich aber im Grunde immer wieder um denselben Punkt. Dieselben Vorw\u00fcrfe, dieselben Muster, dieselben Parolen und dieselben in den sozialen Medien verbreiteten Klischees \u2026 Man hatte eher den Eindruck, dass es darum ging, ein bereits gef\u00e4lltes Urteil zu best\u00e4tigen, als zu versuchen, zu verstehen, was der Gespr\u00e4chspartner eigentlich sagte.<\/p>\n<p>Journalismus bedeutet nicht, im Gerichtssaal als Staatsanwalt aufzutreten. Journalismus bedeutet, Fragen zu stellen. Fragen zu stellen erfordert jedoch, dass man den Antworten wirklich zuh\u00f6rt. Wenn man die Antwort von vornherein ablehnt und nur nach Aussagen sucht, die die eigene Meinung best\u00e4tigen, sprechen wir nicht mehr von Journalismus, sondern von Propaganda.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Aufgabe eines Journalisten besteht darin, der Wahrheit nachzugehen, ob sie ihm nun gef\u00e4llt oder nicht. Seine eigenen politischen Neigungen, pers\u00f6nlichen Vorlieben oder Druck aus seinem Umfeld d\u00fcrfen seiner beruflichen Verantwortung nicht in den Weg stehen. Andernfalls verliert der Journalist seine Rolle als Kontrollinstanz im Namen der \u00d6ffentlichkeit und wird zum Sprachrohr eines bestimmten Kreises.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch interessanter ist, dass in einem Prozess, in dem moralische und rechtliche Debatten gef\u00fchrt werden, das Ergebnis verteidigt wird, anstatt den Kern der Sache zu er\u00f6rtern. In Rechtsstaaten ist jedoch nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch der Weg dorthin. Denn das Recht befasst sich nicht nur damit, wer gewonnen hat, sondern auch damit, wie er gewonnen hat.<\/p>\n<p>Eine Wahl oder ein Parteitag besteht nicht nur aus Zahlen. Wenn die Legitimit\u00e4t des Verfahrens umstritten ist, ist es unvermeidlich, dass auch das erzielte Ergebnis in Frage gestellt wird. In Demokratien stammt die Legitimit\u00e4t aus den Wahlurnen, aber nicht ausschlie\u00dflich; sie speist sich auch aus Gerechtigkeit, Transparenz und Ehrlichkeit.<\/p>\n<p>Heutzutage haben viele Menschen den Erfolg zum einzigen Ma\u00dfstab erhoben. Die Einstellung, dass alles erlaubt sei, solange man gewinne, ist eine der gr\u00f6\u00dften Krankheiten, die sowohl die Politik als auch die Gesellschaft vergiften. Doch genau hier zeigt sich die Bedeutung der Moral. Moral gewinnt nicht dann an Bedeutung, wenn man gewinnt, sondern wenn man trotz der Gefahr zu verlieren das Richtige verteidigen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies ist eines der zentralen Themen, die Herr K\u0131l\u0131\u00e7daro\u011flu seit Jahren betont: Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und eine rechtschaffene Politik. Diese Grunds\u00e4tze m\u00f6gen zwar kurzfristig nicht immer zum Erfolg f\u00fchren, doch sind es gerade diese Grunds\u00e4tze, die die langfristige Zukunft einer Gesellschaft gestalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leider finden in der heutigen Politik und den Medien Parteilichkeit statt Prinzipien, Slogans statt kritischen Denkens und Wahrnehmung statt Wahrheit gr\u00f6\u00dferen Anklang. Nicht die Menschen sprechen, sondern auswendig gelernte Phrasen. Nicht Ideen konkurrieren miteinander, sondern Etiketten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau das ist der Punkt, der an Pawlows Experiment erinnert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ert\u00f6nt ein Klingeln, und es werden immer wieder dieselben S\u00e4tze gesagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird ein Schlagwort in den Raum geworfen, und es kommen immer wieder die gleichen Reaktionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Social-Media-Kampagne startet, und es werden immer wieder dieselben Slogans wiederholt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Niemand h\u00e4lt inne und denkt dar\u00fcber nach:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cOb das wohl stimmt?\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cGibt es vielleicht etwas, das ich nicht wei\u00df?\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cK\u00f6nnte es sein, dass auch die Gegenseite etwas zu sagen hat, das es wert ist, angeh\u00f6rt zu werden?\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Feind der Wahrheit ist nicht die Unwissenheit. Der gr\u00f6\u00dfte Feind der Wahrheit ist der Verstand, der glaubt, alles zu wissen, und meint, nichts mehr lernen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb geht es hier nicht nur um eine Fernsehsendung. Es geht darum, auf welcher Grundlage Politik, Medien und \u00f6ffentliche Debatte in der T\u00fcrkei stattfinden sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Diskussionsklima, das von konditionierten Reflexen bestimmt wird, gibt es weder Gerechtigkeit noch Wahrheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Weg zur Wahrheit ist jedoch einfach:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuerst zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst einmal nachdenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend ein Urteil f\u00e4llen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man das Gegenteil tut, entsteht kein Journalismus, sondern eine Reflexproduktion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Pawlows Hunde mag das ganz nat\u00fcrlich sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist nichts f\u00fcr Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*21. Juni 2026*<\/p>\n<p>*Numan CENG\u0130Z*<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tarih boyunca insan\u0131 anlamaya \u00e7al\u0131\u015fan bilim insanlar\u0131 \u00e7e\u015fitli deneyler yapm\u0131\u015ft\u0131r. Bunlardan en me\u015fhurlar\u0131ndan biri de Rus fizyolog ve psikolog Ivan Pavlov taraf\u0131ndan ortaya konulan &#8220;\u015fartl\u0131 refleks&#8221; teorisidir. Pavlov&#8217;un deneyinde k\u00f6pekler, \u00f6nlerine et konuldu\u011funda do\u011fal olarak salya ak\u0131t\u0131yordu. Daha sonra et ile birlikte zil sesi verildi. 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