{"id":286667,"date":"2026-06-14T09:12:20","date_gmt":"2026-06-14T09:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/halkweb.com.tr\/?p=286667"},"modified":"2026-06-14T09:12:20","modified_gmt":"2026-06-14T09:12:20","slug":"eine-bewertung-des-fuhrerkults-der-identitatsbildung-in-grosen-gruppen-und-der-erzeugung-von-verratern-in-der-chp-aus-der-perspektive-der-massenpsychologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/eine-bewertung-des-fuhrerkults-der-identitatsbildung-in-grosen-gruppen-und-der-erzeugung-von-verratern-in-der-chp-aus-der-perspektive-der-massenpsychologie\/","title":{"rendered":"F\u00fchrerkult, Gruppenidentit\u00e4t und die Erzeugung von \u201cVerr\u00e4tern\u201d in der CHP: Eine Bewertung aus der Perspektive der Massenpsychologie"},"content":{"rendered":"<p>Politik funktioniert nicht nur \u00fcber Programme, Statuten und Rechtsvorschriften. Gesellschaften und politische Bewegungen bewegen sich zugleich durch Emotionen, Identit\u00e4ten, Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchle und kollektive Psychologie. Manchmal mag das offensichtliche Thema der Diskussionen in einer politischen Partei ein Parteitag, eine Wahl oder die F\u00fchrung sein; doch die tiefer liegenden Mechanismen sind ganz andere. Die Debatte verliert ihren rechtlichen Charakter und nimmt einen psychologischen und identit\u00e4tsbezogenen Charakter an.<\/p>\n<p>Auch die Entwicklungen der letzten Jahre innerhalb der Republikanischen Volkspartei (CHP) lassen sich in diesem Zusammenhang betrachten. Insbesondere bei der Betrachtung der Diskussionen rund um den Parteitag, der Entscheidung \u00fcber die absolute Nichtigkeit, der innerparteilichen Einspr\u00fcche und der Reden, die im Zusammenhang mit dem F\u00fchrungskampf entstanden sind, wird deutlich, dass es sich um mehr als eine klassische Meinungsverschiedenheit innerhalb der Organisation handelt. Die Debatten entfernen sich zunehmend von der Achse \u2019recht \u2013 unrecht\u201c und verwandeln sich in identit\u00e4re Unterscheidungen wie \u201ddie Getreuen und die Verr\u00e4ter\u201c, \u201dwir und die anderen\u201c, \u201ddie Verteidiger der Partei und die Feinde\u201c.<\/p>\n<p>Um diesen Wandel zu verstehen, muss man sich auf die Literatur zu Massenpsychologie, Gruppenidentit\u00e4t und F\u00fchrung st\u00fctzen.<\/p>\n<h2><strong>Die Logik der Massenpsychologie<\/strong><\/h2>\n<p>Gustave Le Bon behauptet in seinem Werk \u201ePsychologie der Massen\u201c, dass Massen anders denken als Einzelpersonen. Seiner Ansicht nach reagieren Massen weniger auf logische \u00dcberlegungen als vielmehr auf emotionale Appelle, Symbole und wiederholte Parolen. Je \u00f6fter eine Idee wiederholt wird und je entschiedener und unumst\u00f6\u00dflicher sie pr\u00e4sentiert wird, desto wirkungsvoller wird sie auf die Masse.<\/p>\n<p>Eines der grundlegenden Merkmale der Massenpsychologie ist die Tendenz, komplexe Ereignisse auf einfache Erkl\u00e4rungen zu reduzieren. Ungewissheiten sind beunruhigend. Aus diesem Grund neigen Massen oft dazu, die ihnen angebotenen simplen Darstellungen zu \u00fcbernehmen, anstatt zu versuchen, komplexe rechtliche oder politische Prozesse zu verstehen.<\/p>\n<p>An diesem Punkt gewinnt die F\u00fchrungsfigur an Bedeutung. Denn der Anf\u00fchrer wird nicht mehr nur als politischer Akteur wahrgenommen, sondern zunehmend auch als Vertreter der gemeinsamen Gef\u00fchle der Gruppe.<\/p>\n<h2><strong>Freud und die Identifikation mit dem Anf\u00fchrer<\/strong><\/h2>\n<p>Sigmund Freud macht in seinem Werk \u201eGruppenpsychologie und Ich-Analyse\u201c eine wichtige Feststellung, als er die Beziehung der Gruppe zum Anf\u00fchrer erl\u00e4utert: Die Gruppenmitglieder identifizieren sich mit der Zeit mit dem Anf\u00fchrer. Der Anf\u00fchrer ist nicht mehr nur derjenige, der die Gruppe leitet, sondern wird zum Vertreter des idealen Selbst der Gruppe.<\/p>\n<p>In diesem Fall wird die Kritik am Anf\u00fchrer nicht als gew\u00f6hnliche politische Kritik wahrgenommen. Kritik am Anf\u00fchrer wird zunehmend als Angriff auf die Gruppe selbst empfunden.<\/p>\n<p>Genau an diesem Punkt beginnt das kritische Denken in politischen Bewegungen nachzulassen. Denn f\u00fcr die Gruppenmitglieder z\u00e4hlt nun nicht mehr die Richtigkeit des Arguments, sondern der Schutz des Anf\u00fchrers und der Gruppe.<\/p>\n<h2><strong>Gruppenidentit\u00e4t und die \u201cWir-Sie\u201d-Unterscheidung<\/strong><\/h2>\n<p>Der von Erik Erikson und sp\u00e4ter von Vam\u0131k Volkan entwickelte Ansatz der Gro\u00dfgruppenidentit\u00e4t zeigt, dass sich Millionen von Menschen, auch wenn sie sich nicht kennen, um ein gemeinsames \u201cWir\u201d-Gef\u00fchl herum zusammenschlie\u00dfen k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang geh\u00f6ren Volkans B\u00fccher \u201eBlindes Vertrauen\u201c und \u201eT\u00f6ten im Namen der Identit\u00e4t\u201c zu den Werken, die f\u00fcr Interessierte unbedingt lesenswert sind.<\/p>\n<p>In normalen Zeiten tritt die Identit\u00e4t der gr\u00f6\u00dferen Gruppe in den Hintergrund. Wenn sich die Gruppe jedoch bedroht f\u00fchlt, treten die individuellen Identit\u00e4ten in den Hintergrund und die Identit\u00e4t der gr\u00f6\u00dferen Gruppe r\u00fcckt in den Vordergrund.<\/p>\n<p>In diesem Fall beginnen die Menschen, sich weniger als \u201cich\u201d, sondern vielmehr als \u201cwir\u201d zu definieren.<\/p>\n<p>Und genau hier liegt das Problem.<\/p>\n<p>Denn je st\u00e4rker \u201cwir\u201d werden, desto deutlicher treten auch \u201csie\u201d hervor.<\/p>\n<p>Selbst unterschiedliche Stimmen innerhalb einer Gruppe k\u00f6nnen mit der Zeit in die Kategorie \u201cdie Anderen\u201d eingeordnet werden. Anders zu denken, Kritik zu \u00fcben oder rechtliche Einw\u00e4nde zu erheben, kann als Verrat angesehen werden.<\/p>\n<h2><strong>\u201cDer Mechanismus der \u201dVerr\u00e4ter\u201c-Erzeugung<\/strong><\/h2>\n<p>Im Laufe der Geschichte haben viele politische Bewegungen versucht, Einheit zu schaffen, indem sie neue Feinde schufen, anstatt ihre internen Streitigkeiten beizulegen.<\/p>\n<p>Dieser Mechanismus ist recht einfach:<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wird eine Bedrohung f\u00fcr die Gruppe definiert.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend werden die Personen ermittelt, die mit dieser Bedrohung in Verbindung stehen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend werden die komplexen Realit\u00e4ten, die diese Personen betreffen, ausgeblendet und durch eindimensionale Etiketten ersetzt.<\/p>\n<p>So verliert der Mensch seine Menschlichkeit und wird zu einem Symbol.<\/p>\n<p>\u201cVerr\u00e4ter.\u201d<\/p>\n<p>\u201cKooperativ.\u201d<\/p>\n<p>\u201cEin Mann der Gegenseite.\u201d<\/p>\n<p>\u201cTroll.\u201d<\/p>\n<p>\u201cDer Feind.\u201d<\/p>\n<p>Sobald diese Etiketten verwendet werden, ist die Diskussion beendet. Denn nun sprechen nicht mehr Ideen, sondern Identit\u00e4ten.<\/p>\n<h2><strong>Medien und Wahrnehmungsbildung<\/strong><\/h2>\n<p>In der modernen Politik wird Propaganda nicht nur mit staatlichen Mitteln betrieben.<\/p>\n<p>Auch Meinungsf\u00fchrer wie Fernsehsender, Zeitungen, Social-Media-Konten, digitale Netzwerke, Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Politiker werden Teil dieses Prozesses.<\/p>\n<p>Wenn eine Aussage st\u00e4ndig wiederholt wird, h\u00f6ren die Menschen mit der Zeit vielleicht auf, ihre Richtigkeit anzuzweifeln.<\/p>\n<p>In der politischen Psychologie wird dies als \u201cRealit\u00e4tseffekt\u201d bezeichnet.<\/p>\n<p>Eine Information wird nicht deshalb als wahr wahrgenommen, weil sie wahr ist, sondern weil sie st\u00e4ndig wiederholt wird.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund zielt Propaganda meist weniger darauf ab, neue Informationen zu liefern, als vielmehr darauf, bereits vorhandene Gef\u00fchle zu lenken.<\/p>\n<p>Wut, Angst, Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und das Gef\u00fchl der Bedrohung sind die wirksamsten Mittel daf\u00fcr.<\/p>\n<h2><strong>Die psychologischen Grundlagen des Faschismus<\/strong><\/h2>\n<p>Der Faschismus ist nicht nur eine Regierungsform, sondern auch ein bestimmtes psychologisches Klima.<\/p>\n<p>In diesem Klima:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Anf\u00fchrer wird unantastbar.<\/li>\n<li>Oppositionelle werden zum Feind erkl\u00e4rt.<\/li>\n<li>Komplexe Probleme werden auf eine einzige Feindfigur zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/li>\n<li>Es wird st\u00e4ndig eine Atmosph\u00e4re der Bedrohung geschaffen.<\/li>\n<li>Die Gruppenidentit\u00e4t wird \u00fcber die individuelle Identit\u00e4t gestellt.<\/li>\n<li>Treue wird wertvoller als Aufrichtigkeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Zeit Mussolinis und Hitlers wurden diese Mechanismen \u00e4u\u00dferst rigoros und offen angewendet.<\/p>\n<p>Heutzutage k\u00f6nnen dieselben Prozesse jedoch viel subtiler, viel raffinierter und oft im Rahmen demokratischer Diskurse ablaufen.<\/p>\n<p>Daher geht es nicht nur um den historischen Faschismus.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem sind die psychologischen Mechanismen, die in jeder Epoche wieder auftauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>Die Debatten innerhalb der CHP aus dieser Perspektive betrachten<\/strong><\/h2>\n<p>Es ist auff\u00e4llig, dass sich die rechtlichen Auseinandersetzungen im Rahmen der j\u00fcngsten Entwicklungen innerhalb der CHP zunehmend zu einem psychologischen und identit\u00e4tsbezogenen Kampf entwickelt haben.<\/p>\n<p>In einem Umfeld, in dem Themen wie die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von Parteitagen, der Status der Delegierten, Gerichtsurteile oder die Parteisatzung diskutiert werden m\u00fcssen, ist es ein klassisches Anzeichen von Gruppenpsychologie, wenn sich die Debatte zunehmend auf Personen konzentriert, Kritiker abgestempelt und abweichende Meinungen verteufelt werden.<\/p>\n<p>Die Frage ist folgende:<\/p>\n<p>Wird eine politische Bewegung die Kritik und die rechtlichen Einw\u00e4nde innerhalb ihrer eigenen Reihen als demokratischen Reichtum betrachten?<\/p>\n<p>Oder wird er dies als Angriff auf die Gruppenidentit\u00e4t auffassen und die Person ausgrenzen?<\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur f\u00fcr die Zukunft der CHP, sondern f\u00fcr alle politischen Bewegungen in der T\u00fcrkei von Bedeutung.<\/p>\n<h3><strong>Zwei unterschiedliche Reaktionsweisen innerhalb der CHP<\/strong><\/h3>\n<p>In diesem Zusammenhang fallen zwei unterschiedliche Reaktionsmuster innerhalb der CHP auf. Die Krise in der CHP l\u00e4sst sich nicht nur als F\u00fchrungskampf, sondern auch als Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher politischer F\u00fchrungsans\u00e4tze interpretieren. Auf der einen Seite steht ein Ansatz, der institutionelle Verfahren, parteiinterne Mechanismen und rechtliche Prozesse in den Vordergrund stellt; auf der anderen Seite ein Ansatz, der darauf abzielt, die Basis st\u00e4ndig zu mobilisieren und emotionale Energie in politische Macht umzuwandeln.<\/p>\n<p>Die Durchsetzung von Disziplinarverfahren, \u00c4nderungen in der Leitung der Parlamentsfraktion, die St\u00e4rkung der Effizienz des Zentralvorstands sowie die Neugestaltung der parteiinternen Mechanismen werden als Instrumente des Ansatzes von K\u0131l\u0131\u00e7daro\u011flu dargestellt. Die zentrale These dieses Ansatzes lautet, dass die Partei auch in Krisenzeiten auf der Grundlage von Recht, Satzung und institutionellen Verfahren gef\u00fchrt werden muss.<\/p>\n<p>Das Besondere daran ist, dass es die Anh\u00e4nger schnell mobilisieren kann; gleichzeitig birgt es jedoch auch das Risiko, die Debatte von einer rechtlichen auf eine identit\u00e4tsbezogene Ebene zu verlagern. Aus der Perspektive der politischen Psychologie betrachtet, k\u00f6nnen Diskurse, die st\u00e4ndig auf Bedrohungen hinweisen, die Unterscheidung zwischen \u201cwir und sie\u201d versch\u00e4rfen und eine intensive emotionale Bindung an den F\u00fchrer erzeugen, zwar die Mobilisierung der Massen st\u00e4rken, aber gleichzeitig den Raum f\u00fcr kritisches Denken einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Hier geht es weniger um pers\u00f6nliche Absichten als vielmehr um die gesellschaftlichen Auswirkungen des verwendeten Stils der politischen Kommunikation. W\u00e4hrend die Betonung von institutioneller Wiedergutmachung und rechtlichen Verfahren das Potenzial birgt, Krisen zu entsch\u00e4rfen, kann eine hochgradig polarisierende Mobilisierungsrhetorik zwar kurzfristig starke Unterst\u00fctzung generieren, langfristig jedoch die Polarisierung vertiefen. Studien zur politischen Psychologie und zum Massenverhalten zeigen, dass hochgradig polarisierende Mobilisierungsstrategien kurzfristig sehr wirksam sein k\u00f6nnen. Bewegungen, die sich um eine gemeinsame Bedrohungswahrnehmung, eine starke F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit und eine scharfe \u201cWir-gegen-die-Anderen\u201d-Unterscheidung organisieren, k\u00f6nnen in bestimmten Phasen breite Unterst\u00fctzung generieren. Die Nachhaltigkeit einer solchen Mobilisierung ist jedoch umstrittener. Denn auch wenn Angst, Wut und Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchle die Massen mobilisieren k\u00f6nnen, ist es f\u00fcr politische Organisationen schwierig, langfristig allein durch emotionale Mobilisierung zu bestehen. Institutionelle Kapazit\u00e4t, rechtliche Legitimit\u00e4t, organisatorische Stabilit\u00e4t und die F\u00e4higkeit, L\u00f6sungen f\u00fcr allt\u00e4gliche Probleme zu finden, gewinnen mit der Zeit an Bedeutung. Aus diesem Grund nehmen die Massen, wenn auch nicht immer sofort, so doch meist anhand der Ergebnisse eine Neubewertung vor; wenn sich die Kluft zwischen emotionaler Verbundenheit und konkreter Leistung vergr\u00f6\u00dfert, beginnen sich auch die Unterst\u00fctzungsbeziehungen zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Daher l\u00e4sst sich die Debatte innerhalb der CHP nicht nur als F\u00fchrungskampf betrachten, sondern auch als Auseinandersetzung zwischen zwei unterschiedlichen Stilen der politischen F\u00fchrung und Kommunikation.<\/p>\n<h2><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/h2>\n<p>Demokratische Politik setzt voraus, dass unterschiedliche Meinungen nebeneinander bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rke einer Bewegung misst sich nicht an der Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber ihrem Anf\u00fchrer, sondern an ihrer F\u00e4higkeit, Kritik zu ertragen.<\/p>\n<p>Denn eine der wichtigsten Erkenntnisse, die uns die Geschichte lehrt, lautet:<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte k\u00f6nnen Fehler machen.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte k\u00f6nnen Fehler machen.<\/p>\n<p>Die Massen k\u00f6nnen Fehler machen.<\/p>\n<p>Wenn jedoch der Mechanismus der Kritik wegf\u00e4llt, entf\u00e4llt auch die M\u00f6glichkeit, Fehler zu korrigieren.<\/p>\n<p>Daher besteht die eigentliche Gefahr f\u00fcr eine politische Bewegung nicht in ihren Gegnern, sondern darin, dass kritisches Denken durch blinde Loyalit\u00e4t ersetzt wird.<\/p>\n<p>Was die Demokratie bedroht, sind meist nicht Angriffe von au\u00dfen, sondern das Ende der kritischen Hinterfragung im Inneren. Historische Erfahrungen zeigen, dass Massen nicht g\u00e4nzlich irrational sind. Auch wenn die Massenpsychologie in bestimmten Phasen emotionale Schwankungen hervorrufen kann, bestimmt langfristig nicht nur die Parolen, sondern die Beziehung zur Realit\u00e4t das Schicksal gesellschaftlicher Bewegungen. W\u00e4hrend st\u00e4ndige Mobilisierung und Krisenrhetorik ab einem bestimmten Punkt zu Erm\u00fcdung f\u00fchren, gewinnen Institutionalit\u00e4t, Vorhersehbarkeit und das Streben nach Stabilit\u00e4t wieder an Bedeutung. Daher ist in politischen K\u00e4mpfen nicht so sehr die F\u00e4higkeit entscheidend, die Massen zu mobilisieren, sondern vielmehr die F\u00e4higkeit, sie \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg in derselben Richtung zu halten.<\/p>\n<p>Im Laufe der Geschichte ist es vielen Bewegungen gelungen, ihre Anh\u00e4nger mit Wut und Begeisterung zu mobilisieren. Doch nur wenigen ist es gelungen, dieselben Massen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg f\u00fcr ein gemeinsames Ziel zu gewinnen. Die wahre Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr politische Bewegungen besteht nicht darin, in Krisenzeiten an St\u00e4rke zu gewinnen, sondern darin, nach der Krise ihre institutionelle Legitimit\u00e4t, ihre organisatorische Integrit\u00e4t und das Vertrauen der Gesellschaft zu bewahren.<\/p>\n<p>Die Geschichte ist voller F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten, die die Massen in Bewegung setzen; doch diejenigen, die Bestand haben, sind diejenigen, die nicht die Massen, sondern die Institutionen aufrechterhalten k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siyaset yaln\u0131zca programlar, t\u00fcz\u00fckler ve hukuk kurallar\u0131 \u00fczerinden i\u015flemez. Toplumlar ve siyasal hareketler ayn\u0131 zamanda duygularla, kimliklerle, aidiyetlerle ve kolektif psikolojiyle hareket ederler. Bazen bir siyasi partide ya\u015fanan tart\u0131\u015fmalar\u0131n g\u00f6r\u00fcn\u00fcrdeki konusu kurultay, se\u00e7im veya liderlik olabilir; fakat derinde i\u015fleyen mekanizmalar \u00e7ok daha farkl\u0131d\u0131r. Tart\u0131\u015fma hukuki olmaktan \u00e7\u0131kar, psikolojik ve kimliksel bir karakter kazan\u0131r. 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