{"id":284478,"date":"2026-03-31T05:27:24","date_gmt":"2026-03-31T05:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/halkweb.com.tr\/?p=284478"},"modified":"2026-03-31T05:27:24","modified_gmt":"2026-03-31T05:27:24","slug":"diejenigen-die-das-wunder-heiligen-werden-die-zerstorung-nur-noch-vergrosern-in-japan-und-bei-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/diejenigen-die-das-wunder-heiligen-werden-die-zerstorung-nur-noch-vergrosern-in-japan-und-bei-uns\/","title":{"rendered":"Diejenigen, die das Wunder segnen, vergr\u00f6\u00dfern die Tr\u00fcmmer: Japan und wir"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gesellschaft offenbart sich am meisten in Zeiten der Katastrophe. Denn die Katastrophe entfernt die Schminke und l\u00e4sst die Realit\u00e4t nackt zur\u00fcck. Und in dieser Nacktheit stehen sich zwei unterschiedliche Mentalit\u00e4ten in ihrer ganzen Offenheit gegen\u00fcber: Die eine nimmt die Natur als gegeben hin und \u00fcbernimmt die Verantwortung. Die andere weiht die Natur als Schicksal ein und entzieht sich der Verantwortung.<\/p>\n<p>Diese Unterscheidung ist nicht einfach ein kultureller Unterschied, sondern hat unmittelbar mit der Zivilisation zu tun.<\/p>\n<p>Japan ist eines der deutlichsten Beispiele f\u00fcr diese Unterscheidung. Dort ist die Natur keine Kraft, der eine Bedeutung zugeschrieben wird, sondern eine kalkulierte Realit\u00e4t. Ein Erdbeben ist keine Botschaft, keine Warnung und schon gar keine \u201cStrafe\u201d. Ein Erdbeben ist ein gemessenes, analysiertes und gesteuertes Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Deshalb lautet die erste Frage, die in Japan zum Zeitpunkt der Katastrophe gestellt wird, auch so:<br \/>\n<strong>\u201cWas haben wir falsch gemacht?\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage ist nicht einfach. Diese Frage ist die sch\u00e4rfste Kritik einer Gesellschaft an sich selbst. Denn in dieser Frage steckt der Wille, den Schuldigen nicht im Au\u00dfen zu suchen. Diese Frage enth\u00e4lt den Mut, die Verantwortung auf den Menschen zu legen, nicht auf Gott.<\/p>\n<p>Bei uns wird zur gleichen Zeit ein ganz anderer Reflex aktiviert.<\/p>\n<p>Der erste Satz am Anfang des Wracks ist nicht technischer, sondern theologischer Natur:<br \/>\n<strong>\u201cDas Schicksal.\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Wort ist nicht unschuldig. Dieses Wort ist nicht nur ein Ausdruck des Glaubens, sondern auch ein m\u00e4chtiger Fluchtmechanismus. Denn in dem Moment, in dem man \u201cSchicksal\u201d sagt, h\u00f6rt das Hinterfragen auf. Die Verantwortung wird ausgesetzt. Der Verursacher wird unsichtbar.<\/p>\n<p>Und genau deshalb wird dieses Wort nach jeder Katastrophe wieder in Umlauf gebracht.<\/p>\n<p>Der fehlende Bewehrungsstab des Bauunternehmers, die Unterschrift des Inspektors, die Nachl\u00e4ssigkeit des Verwalters ... sie alle verschmelzen in diesem einen Wort. Es gibt ein Verbrechen, aber keinen Schuldigen. Es gibt eine Zerst\u00f6rung, aber der Verursacher ist unbekannt.<\/p>\n<p>Dies ist eine Form des Selbstbetrugs einer Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Wundergeschichte ist ein erg\u00e4nzendes Element dieser T\u00e4uschung. Denn das Wunder verdeckt die Wahrheit. Es lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen nicht auf die Verantwortlichen, sondern auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Heilsgeschichten. So wird das System nicht in Frage gestellt, sondern es werden nur Emotionen gesteuert.<\/p>\n<p>Deshalb muss es deutlich gesagt werden:<br \/>\n<strong>Das Wunder ist nicht nur ein Trostpflaster, sondern auch ein ideologisches Werkzeug.<\/strong><\/p>\n<p>Und solange dieses Instrument verwendet wird, \u00e4ndert sich nichts.<\/p>\n<p>Denn eine Gesellschaft, die an Wunder glaubt, repariert das System nicht.<br \/>\nEr nimmt das Ergebnis einfach hin.<\/p>\n<p><strong>Japan Wo Verantwortung institutionell verankert ist<\/strong><\/p>\n<p>Japan als eine \u201cdisziplinierte Gesellschaft\u201d abzutun, geht am Thema vorbei. Disziplin ist das Ergebnis. Das eigentliche Problem ist die Umwandlung der Verantwortung von einer Kultur zu einer Institution.<\/p>\n<p>Dort sind die Erdbebenvorschriften kein Buch, sondern ein Vertrag.<br \/>\nDie Pr\u00fcfung ist kein Verfahren, sondern ein Wille zur Sanktion.<br \/>\nFahrl\u00e4ssigkeit ist kein Fehler, sondern eine Straftat.<\/p>\n<p>Es ist nicht die Technologie, die diesen Unterschied ausmacht, sondern die Mentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenn in Japan ein Geb\u00e4ude einst\u00fcrzt, wird dies nicht als \u201cUngl\u00fcck\u201d angesehen. Die Kette wird aufgedr\u00f6selt: Wer hat das Projekt entworfen, wer hat es genehmigt, wer hat es beaufsichtigt, wer hat ein Auge zugedr\u00fcckt? Die Verantwortung wird nicht auf einen einzelnen Punkt, sondern auf den gesamten Prozess verteilt, aber sie wird nicht unsichtbar gemacht. Jedes Glied wird benannt. Jeder Name ist rechenschaftspflichtig.<\/p>\n<p>Denn der folgende Grundsatz ist dort unumstritten:<br \/>\n<strong>Vernachl\u00e4ssigung ist das Werk des Menschen, nicht der Natur.<\/strong><\/p>\n<p>Daher ist der st\u00e4rkste Reflex nach einer Katastrophe in Japan nicht emotional, sondern institutionell. \u00d6ffentlicher Druck beschleunigt die rechtlichen Verfahren. Berufliche Sanktionen k\u00f6nnen einzelne Karrieren beenden. Die Reputation kann \u00fcber Nacht verschwinden. Denn die Quelle der Reputation ist nicht die Macht, sondern die Verantwortung.<\/p>\n<p>\u201cDie so genannte \u201dKultur der Scham\u201c ist in Wirklichkeit keine romantische Tradition, sondern ein harter sozialer Kontrollmechanismus. Was passiert, wenn eine Aufgabe nicht erf\u00fcllt wird, ist nicht nur ein Mangel, sondern ein Zusammenbruch des Ansehens. Deshalb erf\u00fcllen die Menschen ihre Pflichten nicht, \u201dweil sie es m\u00fcssen\", <strong>weil sie wissen, was es kostet, wenn sie es nicht tun.<\/strong> Sie tun es.<\/p>\n<p>In unserem Fall ist das Bild genau umgekehrt.<\/p>\n<p>Es gibt eine Verordnung, aber ihre Umsetzung ist willk\u00fcrlich.<br \/>\nEs gibt zwar eine \u00dcberwachung, aber sie ist nur wenig verbindlich.<br \/>\nEs gibt Sanktionen, aber sie sind nicht dauerhaft.<\/p>\n<p>Und das ist der entscheidende Unterschied:<br \/>\nFahrl\u00e4ssigkeit wird als \u201cUngl\u00fcck\u201d kodiert, nicht als Verbrechen.<\/p>\n<p>Daher arbeitet unser System, um den Fehler zu absorbieren, nicht um ihn zu verhindern. Mit anderen Worten: Es wird nach der Zerst\u00f6rung aktiviert. Davor ist es meist stumm.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind Diskussionen \u00fcber die religi\u00f6se Struktur Japans oberfl\u00e4chlich. Schintoismus, Buddhismus oder Nicht-Glaubenss\u00e4tze erkl\u00e4ren nicht den Kern der Sache. Entscheidend ist, dass diese Gesellschaft die Natur nicht sakralisiert, sondern sie ernst nimmt.<\/p>\n<p>Sie ersetzen nicht Gott durch die Natur.<br \/>\nSie stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Verantwortung.<\/p>\n<p>Wir tun oft das Gegenteil.<\/p>\n<p>Und genau deshalb erhebt sich von zwei Gesellschaften, die dasselbe Naturph\u00e4nomen erleben, eine, w\u00e4hrend die andere unter den Tr\u00fcmmern begraben wird.<\/p>\n<p><strong>1999, Izmir, Mara\u015f: Keine wiederholte Katastrophe, sondern institutionalisierte Nachl\u00e4ssigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sich dieselbe Art der Zerst\u00f6rung aus denselben Gr\u00fcnden und mit denselben Ergebnissen wiederholt, handelt es sich nicht mehr um eine Katastrophe, sondern um einen Befehl.<\/p>\n<p>Das Marmara-Erdbeben 1999 h\u00e4tte ein Meilenstein f\u00fcr dieses Land sein k\u00f6nnen. Nicht nur die Erdkruste brach zusammen, sondern auch die \u00dcberwachung, Planung und Rechenschaftspflicht. Das Versprechen, das an diesem Tag gegeben wurde, war klar: \u201cNichts wird je wieder so sein wie vorher\u201d.\u201d<br \/>\nDas ist nicht geschehen, weil sich nicht die Verordnung, sondern die Mentalit\u00e4t \u00e4ndern musste.<\/p>\n<p>Die dazwischen liegenden Jahre waren eine Zeit des Fortschritts auf dem Papier und der Fortf\u00fchrung von Gewohnheiten in der Praxis. Die Texte sind dicker geworden, die Sanktionen haben sich gelichtet. Die Regeln haben zugenommen, die Ausnahmen haben sich vervielfacht. Das System lernte, Fehler zu tolerieren, anstatt sie zu verhindern.<\/p>\n<p>Das Erdbeben von Izmir im Jahr 2020 hat uns einmal mehr vor Augen gef\u00fchrt, was diese Toleranz kostet. Das gemeinsame Merkmal der eingest\u00fcrzten Geb\u00e4ude war eindeutig: Nachl\u00e4ssigkeit. Schwacher Boden, illegale B\u00f6den, unzureichende \u00dcberwachung - mit anderen Worten, das Risiko wurde nicht durch die Natur, sondern durch den Menschen vergr\u00f6\u00dfert.<br \/>\nAber der Reflex hat sich nicht ge\u00e4ndert: \u201cgro\u00dfe Katastrophe\u201d, \u201cSchicksal\u201d, \u201cVorsehung\u201d. Eine Zerst\u00f6rung mit einem T\u00e4ter wurde in eine Sprache ohne T\u00e4ter \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Die Mara\u015f-Erdbeben von 2023 wurden zu einer Schwelle, die die Diskussion beendete. Es handelte sich nicht nur um eine Katastrophe, sondern um einen Systemtest. Und das System brach im kritischsten Moment zusammen. Zehntausende von Opfern waren nicht nur das Ergebnis von Gewalt, sondern auch von Unvorbereitetheit, mangelnder \u00dcberwachung und Straflosigkeit.<\/p>\n<p>Schmerzhaft war hier nicht nur die Zerst\u00f6rung, sondern auch die Reflexe, die sich auch nach der Zerst\u00f6rung nicht \u00e4nderten.<\/p>\n<p>Wieder standen Wundergeschichten im Vordergrund.<br \/>\nDie Emotionen regierten wieder.<br \/>\nAuch hier wurde die Verantwortung verteilt.<\/p>\n<p>Aber die Wahrheit ist einfach:<br \/>\nBevor ein Geb\u00e4ude abgerissen wird, m\u00fcssen viele Entscheidungen getroffen werden.<br \/>\nJede dieser Entscheidungen tr\u00e4gt eine Unterschrift.<br \/>\nUnd jede Unterschrift ist eine potenzielle Belastung.<\/p>\n<p>In unserem Fall l\u00f6st sich diese Kette nicht auf, sondern sie verdampft.<br \/>\nDer Auftragnehmer wird unsichtbar.<br \/>\nDer Pr\u00fcfer wird gel\u00f6scht.<br \/>\nDer Manager ist nicht zu sprechen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist ein Bild, in dem jeder ein wenig schuldig ist.<br \/>\nAber dieses Bild bewirkt genau das: <strong>Keiner ist verantwortlich.<\/strong><\/p>\n<p>Deshalb sind 1999, Izmir und Mara\u015f keine getrennten Ereignisse, sondern Teile ein und derselben Geschichte.<br \/>\nStraflosigkeit ist eine Einladung zu weiterer Fahrl\u00e4ssigkeit.<br \/>\nDenken Sie daran, dass dies eine Vorbereitung auf die n\u00e4chste Zerst\u00f6rung ist.<\/p>\n<p>Und wir sagen jedes Mal denselben Satz:<br \/>\n\u201cWir werden unsere Lehren daraus ziehen.\u201d<\/p>\n<p>Aber die Lektion lernt man nicht durch Erinnern, sondern durch Sanktionieren.<\/p>\n<p>Wenn dies nicht geschieht, wird jedes neue Erdbeben die Fortsetzung eines alten Vergehens sein.<\/p>\n<p><strong> \u201cDer Diskurs des \u201dSchicksals\": Die Liquidierung der moralischen Verantwortung<\/strong><\/p>\n<p>\u201cDas Wort \u201dSchicksal\" ist ein Ausdruck des Glaubens, wenn es an der richtigen Stelle verwendet wird. Wenn es an der falschen Stelle verwendet wird, wird es zu einer Flucht vor der Verantwortung. Unser Problem ist nicht der Glaube, es ist der systematische Missbrauch dieses Wortes.<\/p>\n<p>Es als \u201cSchicksal\u201d zu bezeichnen, wenn ein Geb\u00e4ude aufgrund eines technischen Fehlers zusammenbricht, bedeutet, den Fehler zu naturalisieren. Und jeder naturalisierte Fehler wird wiederholt. Denn die Natur kann nicht in Frage gestellt werden, w\u00e4hrend der Mensch in Frage gestellt werden kann. An diesem Punkt macht der Diskurs des \u201cSchicksals\u201d das Fragw\u00fcrdige unhinterfragbar.<\/p>\n<p>Dies ist keine einfache Sprachpr\u00e4ferenz.<br \/>\nEs ist eine moralische Entscheidung.<\/p>\n<p>Denn in dem Moment, in dem Sie \u201cSchicksal\u201d sagen, passiert genau das:<br \/>\nDer Verursacher wird unsichtbar.<br \/>\nDie Verantwortung wird ausgesetzt.<br \/>\nDie Notwendigkeit der Rechenschaftspflicht entf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Fahrl\u00e4ssigkeit ist dann kein Verbrechen mehr, sondern ein Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>Aber die Wahrheit ist klar:<br \/>\nEs ist kein Schicksal, wenn eine Spalte fehlt.<br \/>\nDies ist kein Schicksal, wenn keine Bodenuntersuchung durchgef\u00fchrt wird.<br \/>\nEs ist kein Schicksal, wenn ein Pr\u00fcfer ein Auge zudr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um bewusste oder unbewusste Entscheidungen.<br \/>\nUnd jede Entscheidung f\u00fchrt zu Ergebnissen.<\/p>\n<p>Hier beginnt der Zusammenbruch der Gesellschaften:<br \/>\nWo sie Ergebnisse dem Schicksal und Entscheidungen der Unsichtbarkeit zuschreiben.<\/p>\n<p>Der Unterschied zu Japan wird genau an dieser Linie deutlich. Dort werden Natur und menschliche Verantwortung voneinander getrennt. Das Erdbeben ist das Werk der Natur, das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung ist das Werk des Menschen. Da diese Unterscheidung klar ist, ist auch die Rechnung klar.<\/p>\n<p>In unserem Fall ist diese Unterscheidung unscharf.<br \/>\nVernachl\u00e4ssigung ist mit der Natur verwoben.<br \/>\nUnd diese Unsch\u00e4rfe hilft dem System, sich zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Es geht also nicht nur um eine technische, sondern auch um eine intellektuelle Frage.<br \/>\nDie Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Realit\u00e4t bezeichnet, bestimmt die Zukunft dieser Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wenn Sie Fahrl\u00e4ssigkeit \u201cSchicksal\u201d nennen,<br \/>\nwas Sie eigentlich sagen w\u00fcrden:<br \/>\n<strong>\u201cDas wird sich nicht \u00e4ndern.\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Und nichts, von dem man glaubt, es sei unver\u00e4nderlich, \u00e4ndert sich.<\/p>\n<p>An diesem Punkt muss man sich einer harten Realit\u00e4t stellen:<br \/>\nWenn die Wundererz\u00e4hlung mit dem Schicksalsdiskurs kombiniert wird, entsteht eine m\u00e4chtige Ideologie der Verantwortungslosigkeit.<\/p>\n<p>Das Wunder segnet das Ergebnis.<br \/>\nDas Schicksal macht den Prozess unsichtbar.<\/p>\n<p>Und in einer solchen Gleichung gibt es weder Verantwortlichkeit noch Rechenschaftspflicht.<\/p>\n<p>Die Zivilisation erfordert jedoch das Gegenteil:<br \/>\nDie richtige Nomenklatur.<br \/>\nSchieben Sie die Schuld auf die richtige Stelle.<br \/>\nUnd, was am wichtigsten ist, die pers\u00f6nliche Verantwortung.<\/p>\n<p>Andernfalls beginnt die Gesellschaft, nicht in der Realit\u00e4t zu leben, sondern in den beruhigenden Geschichten, die sie produziert.<\/p>\n<p>Und diese Geschichten enden immer gleich:<br \/>\nTr\u00fcmmer.<\/p>\n<p><strong> Das Ma\u00df der Zivilisation ist der Mut, Verantwortung zu tragen<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt keinen Grund mehr, die Diskussion zu besch\u00f6nigen. Der Punkt ist klar: Dies ist weder eine Frage der Technologie noch eine Frage des Glaubens. Es ist eine Frage von <strong>ist eine Frage der Verantwortung.<\/strong><\/p>\n<p>Der Unterschied zu Japan besteht nicht nur darin, dass dort besser gebaut wird. Der wirkliche Unterschied ist, dass jemand f\u00fcr ein schlechtes Geb\u00e4ude bezahlen muss. Denn das dortige System duldet keine Fehler, sondern bestraft sie. Nachl\u00e4ssigkeit ist keine Ausnahme, sondern ein Bereich, in dem es keine Toleranz gibt.<\/p>\n<p>In unserem Fall ist das Bild genau umgekehrt.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re ein Fehler.<br \/>\nDer Preis wird ungewiss.<br \/>\nDie Zeit vergeht.<br \/>\nDer Speicher wird gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Und dann wird derselbe Fehler reproduziert.<\/p>\n<p>Dieser Zyklus ist kein Zufall. Er ist eine Form des Managements.<br \/>\nEin System, in dem die Verantwortung verteilt, verschleiert und schlie\u00dflich abgeschafft wird.<\/p>\n<p>Daher ist es notwendig, den folgenden Satz nicht mehr zu sagen:<br \/>\n\u201cWir m\u00fcssen lernen, mit der Realit\u00e4t von Erdbeben zu leben\u201d.\u201d<\/p>\n<p>Nein, nein, nein.<br \/>\nEs ist nicht das Erdbeben, aus dem wir lernen m\u00fcssen.<br \/>\n<strong>Verantwortung.<\/strong><\/p>\n<p>Denn ein Erdbeben kann man nicht verhindern.<br \/>\nAber Sie k\u00f6nnen die Zerst\u00f6rung verhindern.<\/p>\n<p>Und wenn Sie das nicht tun, ist das keine Verzweiflung, sondern eine Entscheidung.<\/p>\n<p>Die h\u00e4rteste Lektion, die Japan uns erteilt hat, ist diese:<br \/>\nDie Zivilisation ist kein Sieg \u00fcber die Natur.<br \/>\nZivilisation ist die Intoleranz des Menschen gegen\u00fcber seinen eigenen Fehlern.<\/p>\n<p>Es ist die Anwendung der Regeln ohne Ausnahme.<br \/>\nVernachl\u00e4ssigung ist unverzeihlich.<br \/>\nUnd das Wichtigste: <strong>Rechenschaftspflicht.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Menschen in einer Gesellschaft wissen, dass sie nicht f\u00fcr ihre Taten bezahlen werden,<br \/>\nIn dieser Gesellschaft funktionieren keine Vorschriften.<\/p>\n<p>Wenn die Verantwortung in einer Gesellschaft nicht benannt wird,<br \/>\nGerechtigkeit kann in dieser Gesellschaft nicht hergestellt werden.<\/p>\n<p>Wenn Katastrophen immer noch als \u201cSchicksal\u201d in einer Gesellschaft erkl\u00e4rt werden,<br \/>\nDer Fortschritt in dieser Gesellschaft ist nur eine Illusion.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, uns etwas vorzumachen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1999 wurden wir gewarnt.<br \/>\nWir wurden in Izmir daran erinnert.<br \/>\nWir standen uns in Mara\u015f gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Und wenn wir uns immer noch am selben Ort befinden, ist es nicht mehr Unwissenheit, sondern eine Entscheidung.<\/p>\n<p>Das letzte Wort sollte nicht ausgefallen, sondern klar sein:<\/p>\n<p><strong>Gesellschaften, die Wunder erwarten, produzieren Tr\u00fcmmer.<br \/>\nGesellschaften, die sich der Verantwortung verschreiben, schaffen eine Zivilisation.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wundererz\u00e4hlung: Die Form der Selbstt\u00e4uschung einer Gesellschaft<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":284479,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[286],"tags":[289],"class_list":{"0":"post-284478","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-yazarlar","8":"tag-manset"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/284478","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=284478"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/284478\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":284480,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/284478\/revisions\/284480"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/284479"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=284478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=284478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=284478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}