{"id":283158,"date":"2026-03-01T18:02:21","date_gmt":"2026-03-01T18:02:21","guid":{"rendered":"https:\/\/halkweb.com.tr\/?p=283158"},"modified":"2026-03-01T18:46:05","modified_gmt":"2026-03-01T18:46:05","slug":"der-eigentliche-beginn-der-kriege-im-nahen-osten-die-angesammelten-spannungen-der-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/der-eigentliche-beginn-der-kriege-im-nahen-osten-die-angesammelten-spannungen-der-geschichte\/","title":{"rendered":"Der wahre Beginn der Kriege: Die historisch angeh\u00e4uften Spannungen im Nahen Osten"},"content":{"rendered":"<p>Im Nahen Osten wird wieder einmal Geschichte geschrieben. Die gro\u00df angelegte Milit\u00e4roperation der USA und Israels gegen den Iran ist nicht nur ein Krieg gegen ein Land. Sie ist Teil eines gr\u00f6\u00dferen geopolitischen Programms, das seit langem vorbereitet wurde. Es ist die Inszenierung einer Strategie, die unter dem Deckmantel der Diplomatie vor sich geht, deren Ziel aber letztlich die milit\u00e4rische und politische Neuordnung ist.<\/p>\n<p>Das Bild, das sich am ersten Tag dieses Krieges bot, ist an sich schon erkl\u00e4rend genug: Irans Oberster F\u00fchrer Ali Khamenei und hochrangige milit\u00e4risch-politische Kader wurden ins Visier genommen, viele Provinzen des Landes wurden gleichzeitig bombardiert, und zivile Siedlungen wie auch milit\u00e4rische Einrichtungen wurden getroffen. Die Bombardierung einer M\u00e4dchenschule im S\u00fcden Irans, bei der Dutzende von Kindern get\u00f6tet wurden, hat einmal mehr gezeigt, dass die Rhetorik der \u201cchirurgischen Operation\u201d der modernen Kriegsf\u00fchrung eine gro\u00dfe L\u00fcge ist.<\/p>\n<p>Die technische Sprache der modernen Kriegsf\u00fchrung ist zu einem Schleier geworden, der die moralische Verantwortung f\u00fcr den Tod verschleiert.<\/p>\n<p><strong>Strategie der Enthauptung: Das Gehirn des Staates zerst\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rdoktrin dieses Angriffs ist ganz klar: \u201cEnthauptungsschlag\u201d, die Strategie der Enthauptung. Ziel ist es, nicht nur die milit\u00e4rische Kapazit\u00e4t, sondern auch den Entscheidungsmechanismus des Staates auszuschalten. Indem man die politische F\u00fchrung, das milit\u00e4rische Kommando und die Sicherheitsb\u00fcrokratie ins Visier nimmt, geht man davon aus, dass die staatliche Struktur bald zusammenbrechen wird.<\/p>\n<p>Diese Methode ist in den letzten zwanzig Jahren in vielen L\u00e4ndern angewandt worden. Im Irak wurde das Regime von Saddam Hussein auf diese Weise gest\u00fcrzt. In Libyen war Muammar Gaddafi das Ziel. Das Ergebnis dieser Operationen war jedoch keine demokratische Ordnung, sondern der Zerfall der Staatsgewalt und ein lang anhaltendes Chaos.<\/p>\n<p>Es ist zu beobachten, dass bei der Enthauptung von Staaten die Gesellschaften nicht befreit werden, sondern oft zerfallen.<\/p>\n<p><strong>Falsche Realit\u00e4t: Die Propagandaphase des Krieges<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Krieg beginnt zuerst in den K\u00f6pfen. Bevor milit\u00e4rische Operationen beginnen, muss die \u00f6ffentliche Meinung vorbereitet werden. Die daf\u00fcr verwendete Methode ist nicht neu: die Erstellung von Bedrohungsnarrativen.<\/p>\n<p>Die Rhetorik, die heute \u00fcber den Iran verwendet wird, ist beeindruckend. Die Behauptungen, dass der Iran Atomwaffen entwickelt, Interkontinentalraketen vorbereitet und die Welt bedroht, werden st\u00e4ndig wiederholt. F\u00fcr diesen Diskurs gibt es jedoch ein sehr bekanntes Beispiel aus der j\u00fcngeren Geschichte.<\/p>\n<p>Vor der Invasion des Irak im Jahr 2003 wurde der Welt\u00f6ffentlichkeit das Gleiche erz\u00e4hlt: Das Regime von Saddam Hussein soll \u00fcber Massenvernichtungswaffen verf\u00fcgen. Diese Behauptung wurde als die wichtigste Rechtfertigung f\u00fcr den Krieg dargestellt. Die Invasion fand statt, der Irak wurde zerst\u00f6rt, Hunderttausende von Menschen verloren ihr Leben. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass diese Waffen nie existierten.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich ein grundlegender Mechanismus imperialer Interventionen: Die Realit\u00e4t wird h\u00e4ufig vor dem Krieg rekonstruiert.<\/p>\n<p>Es wird Angst erzeugt, die Bedrohung wird vergr\u00f6\u00dfert, Propaganda wird verbreitet. Dann wird eine milit\u00e4rische Intervention legitimiert.<\/p>\n<p><strong>War die Diplomatie eine T\u00e4uschung?<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Zeitpunkt des iranischen Angriffs ist bemerkenswert. Denn die Operation fand zu einem Zeitpunkt statt, als die Atomverhandlungen zwischen Iran und dem Westen noch liefen. Es wurde gemunkelt, dass die Parteien bei den \u00fcber Oman gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen einer Einigung sehr nahe waren.<\/p>\n<p>Dies wirft die Frage auf: Ist die Diplomatie wirklich eine Suche nach einer L\u00f6sung, oder ist sie ein Mittel, um Zeit f\u00fcr milit\u00e4rische Aktionen zu gewinnen?<\/p>\n<p>In der Geschichte des Nahen Ostens war die Diplomatie oft Teil der Kriegsvorbereitung, nicht des wirklichen Friedens. W\u00e4hrend die Verhandlungen am Verhandlungstisch stattfinden, werden milit\u00e4rische Pl\u00e4ne vorbereitet. Kriegsszenarien werden ausgearbeitet, w\u00e4hrend der \u00d6ffentlichkeit Friedensbotschaften \u00fcbermittelt werden.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund ist die Diplomatie im Nahen Osten oft eine Vorstufe zum Krieg, nicht zum Frieden.<\/p>\n<p><strong>Die neue Strategie des Iran: Von der strategischen Geduld zur aktiven Kriegsf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Viele Jahre lang hat der Iran eine Doktrin der \u201cstrategischen Geduld\u201d anstelle einer direkten Kriegsf\u00fchrung praktiziert. Regionale Stellvertreterkr\u00e4fte, diplomatische Man\u00f6ver und begrenzte Vergeltungsma\u00dfnahmen waren die wichtigsten Instrumente dieser Politik.<\/p>\n<p>Der j\u00fcngste Angriff hat jedoch das milit\u00e4rische Vorgehen des Iran ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Teheran ist nicht mehr nur ein Akteur, der sein Territorium verteidigt. Amerikanische St\u00fctzpunkte am Golf wurden ins Visier genommen und milit\u00e4rische Einrichtungen in der Region wurden direkt angegriffen. Die Drohung, die Stra\u00dfe von Hormuz zu schlie\u00dfen, ist ein Schritt, der sich unmittelbar auf das globale Energiesystem auswirken wird.<\/p>\n<p>Ein bedeutender Teil des weltweiten \u00d6lhandels l\u00e4uft durch diese enge Passage. Daher k\u00f6nnte ein Krieg mit dem Iran nicht nur das Schicksal des Nahen Ostens, sondern auch das der Weltwirtschaft beeinflussen.<\/p>\n<p><strong>Projekt Regimewechsel<\/strong><\/p>\n<p>Zeitgleich mit der milit\u00e4rischen Offensive wurde eine weitere Front er\u00f6ffnet: die psychologische und politische Kriegsf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Die Appelle der US-Regierung an das iranische Volk, die Mobilisierung der Oppositionsbewegungen im Exil und die Diskussionen \u00fcber eine \u00dcbergangsregierung zeigen, dass dieser Krieg nicht nur ein milit\u00e4risches, sondern auch ein politisches Ziel hat.<\/p>\n<p>Der Diskurs des Regimewechsels ist eines der am h\u00e4ufigsten verwendeten Argumente f\u00fcr imperiale Interventionen. Der gleiche Diskurs wurde im Irak, in Afghanistan und in Libyen verwendet.<\/p>\n<p>Die historische Erfahrung ist jedoch eindeutig: Regimewechsel, die durch ausl\u00e4ndische Interventionen herbeigef\u00fchrt werden, f\u00fchren nicht zur Demokratie. Sie f\u00fchren h\u00e4ufig zu Staatszerfall, B\u00fcrgerkrieg und anhaltender Instabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Irak tr\u00e4gt noch heute die Narben des Krieges. In Afghanistan herrschen nach zwanzig Jahren Krieg wieder die Taliban. Libyen ist nach wie vor ein zersplittertes Land.<\/p>\n<p><strong>Die \u00d6konomie des Krieges: Die Kosten des Todes<\/strong><\/p>\n<p>Krieg ist nicht nur eine politische Frage, sondern auch ein wirtschaftlicher Mechanismus. Jede Bombe, jede Rakete, jedes Kampfflugzeug ist das Ergebnis einer gigantischen industriellen Produktion.<\/p>\n<p>Die R\u00fcstungsindustrie ist eine der profitabelsten Industrien der Welt. Die Gro\u00dfm\u00e4chte testen ihre Waffen oft in Kriegen in L\u00e4ndern der Dritten Welt. Diese Kriege sind auch ein Schaufenster f\u00fcr die Vermarktung neuer Waffen.<\/p>\n<p>Reiche L\u00e4nder verkaufen Waffen, w\u00e4hrend arme L\u00e4nder k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die Kosten des Krieges werden ironischerweise in Form von Menschenleben berechnet. Wenn man die Kosten f\u00fcr Bomben, die Kosten f\u00fcr Flugzeuge und die Kosten f\u00fcr Operationen berechnet, kommt man zu dem Ergebnis, dass Krieg immer teuer ist, aber diese teuren Kosten kommen nicht den Menschen zugute, die sterben.<\/p>\n<p>Die Gewinner eines Krieges sind oft nicht diejenigen, die an der Front k\u00e4mpfen, sondern diejenigen, die Waffen produzieren.<\/p>\n<p><strong>Der endlose Kreislauf des Nahen Ostens<\/strong><\/p>\n<p>Betrachtet man die letzten zwei Jahrzehnte im Nahen Osten, so l\u00e4sst sich ein klares Muster erkennen. Der Prozess, der mit der Invasion des Irak begann, setzte sich mit dem syrischen B\u00fcrgerkrieg, dem Zerfall Libyens und der Jemen-Krise fort.<\/p>\n<p>Der Iran ist heute das neue Glied in dieser Kette.<\/p>\n<p>Die regionalen Staaten werden geschw\u00e4cht, die politischen Strukturen zersplittern und die Grenzen werden zunehmend umstritten.<\/p>\n<p>Dieser Prozess ist nicht nur eine milit\u00e4rische Strategie, sondern bedeutet auch eine Umgestaltung des globalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses.<\/p>\n<p><strong>Das schwierige Gleichgewicht der T\u00fcrkei<\/strong><\/p>\n<p>Die Auswirkungen dieses Krieges sind auch f\u00fcr die T\u00fcrkei von entscheidender Bedeutung. Obwohl Ankara versucht, in seinen diplomatischen Erkl\u00e4rungen eine ausgewogene Sprache zu verwenden, erschweren die geografischen Gegebenheiten dieses Gleichgewicht.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei befindet sich in unmittelbarer N\u00e4he dieses riesigen Konfliktgebiets im Nahen Osten. Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte wie \u0130ncirlik und K\u00fcrecik k\u00f6nnen die regionalen Spannungen bis zu einem Punkt tragen, an dem sie die T\u00fcrkei direkt betreffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die m\u00f6glichen Folgen eines Krieges sind nicht auf die Sicherheitsdimension beschr\u00e4nkt. Neue Migrationswellen, Energiekrisen und wirtschaftliche Schocks k\u00f6nnten die T\u00fcrkei direkt betreffen.<\/p>\n<p><strong>Die Demokratie kommt nicht mit Bomben<\/strong><\/p>\n<p>Eines der am h\u00e4ufigsten verwendeten Argumente derjenigen, die die Legitimit\u00e4t des Krieges verteidigen, ist der Diskurs \u00fcber die \u201cEinf\u00fchrung der Demokratie\u201d. Die einfache Wahrheit der modernen Geschichte ist jedoch, dass die Demokratie nicht mit Bombern kommt.<\/p>\n<p>Demokratie entwickelt sich durch die innere Dynamik von Gesellschaften.<\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Interventionen destabilisieren oft autorit\u00e4re Regime, anstatt sie zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Daher kann das Versagen oder die repressive Politik des iranischen Regimes nicht als Legitimation f\u00fcr eine ausl\u00e4ndische Intervention herangezogen werden.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass ein Regime repressiv ist, gibt einem anderen Staat nicht das Recht, St\u00e4dte zu bombardieren.<\/p>\n<p><strong>Welt der Killer<\/strong><\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die des Nahen Ostens besteht darin, dass er oft zwischen zwei verschiedenen M\u00e4chten steht. Autorit\u00e4re Regime auf der einen Seite und imperiale Interventionen auf der anderen.<\/p>\n<p>Dazwischen liegen die V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Manchmal bringen sich M\u00f6rder gegenseitig um. Aber es sind immer Unschuldige, die den Preis des Krieges zahlen.<\/p>\n<p>Wenn ein M\u00f6rder einen anderen M\u00f6rder t\u00f6tet, wird die Welt nicht gerechter.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerung Der Beginn eines neuen Sturms<\/strong><\/p>\n<p>Der Tod von Ali Khamenei oder der Angriff auf die F\u00fchrungsstruktur im Iran ist nicht das Ende dieses Prozesses. Im Gegenteil, es k\u00f6nnte der Beginn eines viel gr\u00f6\u00dferen geopolitischen Sturms sein.<\/p>\n<p>Der Nahe Osten ist im Umbruch. Das Machtgleichgewicht ver\u00e4ndert sich. Das V\u00f6lkerrecht wird mehr und mehr gebrochen.<\/p>\n<p>Eine Weltordnung, in der die Starken machen, was sie wollen, f\u00fchrt zu Chaos, nicht zu Sicherheit.<\/p>\n<p>Der Krieg, der heute im Iran begonnen hat, kann das Schicksal nicht nur eines Landes, sondern der gesamten Region beeinflussen.<\/p>\n<p>Und das lehrt uns die Geschichte:<\/p>\n<p>Wenn sich die Pforten der H\u00f6lle \u00f6ffnen, werden Zivilisten, nicht Gener\u00e4le, die ersten sein, die eintreten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ortado\u011fu&#8217;da Sava\u015f\u0131n Ger\u00e7ek Anlam\u0131: \u0130srail-\u0130ran \u00c7at\u0131\u015fmas\u0131, emperyal G\u00fc\u00e7 Rekabeti ve T\u00fcrkiye&#8217;nin Tarihsel Stratejisi<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":283159,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[286],"tags":[289],"class_list":["post-283158","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-yazarlar","tag-manset"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283158"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":283161,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283158\/revisions\/283161"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/283159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=283158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=283158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}