{"id":280580,"date":"2025-12-22T06:47:36","date_gmt":"2025-12-22T06:47:36","guid":{"rendered":"https:\/\/halkweb.com.tr\/?p=280580"},"modified":"2025-12-22T06:47:36","modified_gmt":"2025-12-22T06:47:36","slug":"drogen-und-der-marktstaat-warum-die-jugend-verloren-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/halkweb.com.tr\/de\/drogen-und-der-marktstaat-warum-die-jugend-verloren-geht\/","title":{"rendered":"Drogen und der Marktstaat: Warum geht die Jugend verloren?"},"content":{"rendered":"<p>Die Drogenproblematik wird in der T\u00fcrkei aus einer bewusst falschen Perspektive diskutiert. Dieses Problem l\u00e4sst sich nicht nur durch Stra\u00dfenkriminalit\u00e4t, Drogendealer oder Bilder von \u201cerfolgreichen Operationen\u201d erkl\u00e4ren. Drogen sind eine Folge der Ungleichheiten, die durch den Marktstaat, den R\u00fcckzug des Sozialstaates und die systematische Isolation der Jugend in der heutigen T\u00fcrkei geschaffen wurden.<\/p>\n<p>Es handelt sich also nicht um eine Frage der Sicherheit, sondern um eine Frage der politischen \u00d6konomie, der \u00f6ffentlichen Gesundheit und der Klasse.<\/p>\n<h3>Nicht Br\u00fccke, Hinterhof<\/h3>\n<p>Die geografische Lage der T\u00fcrkei wird seit Jahren mit der Metapher einer \u201cBr\u00fccke\u201d beschrieben. In der neoliberalen \u00c4ra hat sich diese Br\u00fccke jedoch in eine freie Passage f\u00fcr das Kapital und eine prek\u00e4re Passage f\u00fcr Arbeiter und Arme verwandelt. Die Drogennetze, die sich von Lateinamerika bis zum Balkan erstrecken, werden nicht nur durch Schwachstellen an den Grenzen, sondern auch durch unregulierte Finanzen, informelle Wirtschaft und politische Blindheit gen\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Der Drogenhandel ist nicht mehr nur eine kriminelle Aktivit\u00e4t, sondern hat sich zu einer Wirtschaft entwickelt, in der Armut, Arbeitslosigkeit und Sinnlosigkeit zu einer Ware werden. Die Kunden dieses Marktes sind nicht zuf\u00e4llig: Die Schw\u00e4chsten, die Prek\u00e4rsten, die Hoffnungslosesten.<\/p>\n<h3>Wenn das Alter sinkt, steigt die Verantwortung<\/h3>\n<p>Die Tatsache, dass das Einstiegsalter f\u00fcr den Drogenkonsum auf 12-13 Jahre gesunken ist, l\u00e4sst sich nicht mit der individuellen Moral erkl\u00e4ren. Dies ist das unmittelbare Ergebnis der Vermarktlichung des Bildungssystems, des Zusammenbruchs des \u00f6ffentlichen Raums und der fr\u00fchen Einf\u00fchrung der Kinder in den Druck von Wettbewerb, Schulden und Versagen.<br \/>\nDie Tatsache, dass etwa %3 der 15- bis 34-J\u00e4hrigen schon einmal mit Drogen in Ber\u00fchrung gekommen ist, ist mehr als eine Prozentzahl, sie ist ein Indikator f\u00fcr eine Generation, der die Zukunft genommen wurde. Aus einer linken Perspektive stellt sich die Frage:<\/p>\n<p>Warum greifen diese jungen Menschen zu Drogen?<\/p>\n<p>Denn das System bietet ihnen keinen Sinn, keine Sicherheit und keine Zukunft.<\/p>\n<h3>Bild, keine Politik<\/h3>\n<p>Der staatliche Reflex gegen die Drogen beruht weitgehend auf der Politik des Spektakels. Bilder von Operationen, dramatische Darstellungen, \u201chistorische Schl\u00e4ge\u201d... Diese Erz\u00e4hlung vermeidet jedoch bewusst die Diskussion \u00fcber die strukturellen Ursachen des Problems.<\/p>\n<p>Hier sprechen die Medien die Sprache der Regierung: Drogen werden als abstrakte \u201cBedrohung\u201d und nicht als soziale Folge dargestellt. So werden Armut, Arbeitslosigkeit, Ungleichheit im Bildungswesen und st\u00e4dtische Armut unsichtbar gemacht. Das Problem wird individualisiert, das System wird besch\u00f6nigt.<\/p>\n<h3>Der Kriminalstaat ist kein Ersatz f\u00fcr den Sozialstaat<\/h3>\n<p>Die H\u00e4rte des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs kann das Fehlen eines Sozialstaats nicht kompensieren. Eine auf Bestrafung ausgerichtete Politik verringert nicht die Sucht, sondern verst\u00e4rkt die Stigmatisierung und Ausgrenzung. Da S\u00fcchtige als Kriminelle abgestempelt werden, entfernen sie sich vom Gesundheitssystem und werden in den Untergrund gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen in Portugal, den Niederlanden und Kanada zeigen dies deutlich:<br \/>\nDie wirksamste Politik gegen Drogen ist die \u00f6ffentliche Gesundheit, kostenlose Behandlung, fr\u00fchzeitiges Eingreifen und soziale Unterst\u00fctzung. Was in diesen L\u00e4ndern zum Erfolg f\u00fchrt, ist nicht \u201cToleranz\u201d, sondern \u00f6ffentliche Verantwortung.<\/p>\n<h3>Eine linke L\u00f6sung ist m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Aus Sicht der Linken ist die L\u00f6sung klar:<br \/>\nDie Drogenpolitik sollte von der Sicherheit zur \u00f6ffentlichen Gesundheit verlagert werden.<br \/>\nBildung sollte von der Marktlogik befreit werden; Schulen sollten das Leben lehren, nicht nur Pr\u00fcfungen.<br \/>\nS\u00fcchtige sollten nicht bestraft, sondern an eine kostenlose und zug\u00e4ngliche Behandlung verwiesen werden.<br \/>\nDie Bek\u00e4mpfung des Schwarzgeldes und der organisierten Kriminalit\u00e4t muss durch eine echte Kontrolle des Kapitalverkehrs und nicht durch Alibi-Ma\u00dfnahmen erfolgen.<\/p>\n<p>Die Medien sollten die Forderung der \u00d6ffentlichkeit nach Informationen und Rechten verst\u00e4rken, nicht die Sprache der Angst der Regierung.<\/p>\n<h3>Schlussfolgerung: Dies ist eine Klassen- und Zukunftsfrage<\/h3>\n<p>Drogen zerst\u00f6ren nicht nur den Einzelnen, sondern auch das soziale Gef\u00fcge. Doch diese Zerst\u00f6rung ist kein Zufall. Drogen breiten sich \u00fcberall dort aus, wo sich der Sozialstaat zur\u00fcckzieht, der \u00f6ffentliche Raum schrumpft und die Jugend zu Konkurrenz und Einsamkeit verdammt ist.<\/p>\n<p>Schweigen ist keine Neutralit\u00e4t.<br \/>\nStrafe ist nicht die L\u00f6sung.<br \/>\nDemonstration ist keine Politik.<br \/>\nDrogen kommen leise.<br \/>\nAber was kommt danach?, <strong>sozialer Zusammenbruch.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die H\u00e4rte des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs kann das Fehlen eines Sozialstaats nicht kompensieren. 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